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Was ist OEE? — Overall Equipment Effectiveness erklärt

OEE (Overall Equipment Effectiveness) ist die wichtigste Kennzahl zur Messung der Produktivität einer Fertigungsanlage oder Produktionslinie. Sie beantwortet die Frage: Wie viel von der verfügbaren Produktionszeit wird tatsächlich genutzt, um gute Teile herzustellen?

Die OEE-Formel

OEE setzt sich aus drei Faktoren zusammen:

OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität

Ein Beispiel: Eine Anlage läuft 90 % der geplanten Zeit (Verfügbarkeit), produziert dabei mit 95 % der Sollgeschwindigkeit (Leistung), und 99 % der Teile sind in Ordnung (Qualität).

OEE = 0,90 × 0,95 × 0,99 = 84,6 %

Die drei Komponenten im Detail

Verfügbarkeit Anteil der geplanten Produktionszeit, in der die Anlage tatsächlich läuft. Verluste entstehen durch ungeplante Stillstände, Rüstzeiten und Störungen.

Verfügbarkeit = Laufzeit / Geplante Produktionszeit

Leistung Verhältnis von tatsächlicher zu theoretisch möglicher Ausbringung. Verluste entstehen durch reduzierte Geschwindigkeit, kurze Unterbrechungen und Leerlauf.

Leistung = (Ist-Taktzeit / Soll-Taktzeit) × 100

Qualität Anteil der Gutteile an der Gesamtproduktion, gemessen beim ersten Durchlauf (First Pass Yield). Verluste entstehen durch Ausschuss und Nacharbeit.

Qualität = Gutteile / Gesamtteile

Was ist ein guter OEE-Wert?

Als Richtwert gilt in der Industrie:

OEE-WertBewertung
< 65 %Verbesserungsbedarf
65–75 %Durchschnittlich
75–85 %Gut
> 85 %World Class

Diese Benchmarks sind Orientierungswerte. Je nach Branche, Anlagentyp und Produktmix können sinnvolle Zielwerte abweichen. Wichtiger als der absolute Wert ist die Entwicklung über die Zeit.

Warum OEE messen?

OEE macht Produktionsverluste sichtbar und kategorisiert sie. Ohne Messung ist unklar, wo die größten Hebel liegen — bei Verfügbarkeit, Leistung oder Qualität. Mit OEE lassen sich Verbesserungsmaßnahmen priorisieren und deren Wirkung nachweisen.

Typische Erkenntnisse aus der OEE-Analyse: Welche Störursachen treten am häufigsten auf? Welche Schicht oder welches Produkt hat den schlechtesten OEE? Wo liegen die größten Zeitverluste?

OEE und die sechs großen Verluste

Das OEE-Konzept basiert auf dem TPM-Ansatz (Total Productive Maintenance) und klassifiziert Produktionsverluste in sechs Kategorien:

Verfügbarkeitsverluste: Ungeplante Stillstände, Rüst- und Einrichtungszeiten

Leistungsverluste: Kurzstopps und Leerlauf, reduzierte Geschwindigkeit

Qualitätsverluste: Anlaufverluste, Ausschuss und Nacharbeit


OEE messen — wie geht das in der Praxis?

OEE-Messung erfordert drei Datenquellen: Laufzeit der Anlage, tatsächliche Ausbringung und Qualitätsdaten. In der Praxis werden diese Daten häufig manuell erfasst – mit dem Risiko von Fehlern und Verzögerungen.

Moderne OEE-Systeme erfassen diese Daten automatisch über Sensoren direkt an der Linie, ohne Eingriff in die Steuerung. Das reduziert den Aufwand und liefert Echtzeit-Daten statt Schichtberichten.


  1. IO-Link ist eine eingetragene Marke der PROFIBUS Nutzerorganisation e.V.: io-link.comprofibus.com ↩︎